In Deutschland spitzt sich die Wohnungsnot dramatisch zu: Laut jüngsten Analysen fehlen aktuell rund 1,4 Millionen Wohnungen – vor allem im Bereich der bezahlbaren und sozialen Wohnraumsegmente. Dieser Rekordmangel betrifft Menschen aller Altersgruppen, trifft aber besonders junge Erwachsene und ältere Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt kaum noch Chancen haben, eine leistbare Wohnung zu finden.
Warum fehlen so viele Wohnungen?
Der Grund für die angespannte Lage ist nicht singular, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
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Der Wohnungsneubau hinkt dem Bedarf stark hinterher. Um den aktuellen Mangel bis 2030 abzubauen, müssten jährlich rund 400 000 neue Wohnungen gebaut werden – tatsächlich sind es aber nur etwa 200 000 pro Jahr, also nur die Hälfte des Notwendigen.
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Vor allem günstiger Wohnraum geht verloren. Der Mangel betrifft fast ausschließlich preiswerte Wohnungen und Sozialwohnungen: gerade dort, wo die Nachfrage am größten ist.
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Demografische und gesellschaftliche Entwicklungen verstärken die Knappheit. Immer mehr Menschen leben allein oder in kleineren Haushalten – das treibt die Nachfrage nach mehr Wohnungen.
Wer leidet am stärksten?
Die Wohnungsnot hat soziale Auswirkungen, die weit über steigende Mietpreise hinausgehen:
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Junge Menschen bis etwa 25 Jahre geraten zunehmend ins Hintertreffen. Viele müssen länger bei ihren Eltern wohnen bleiben oder finden nur beengten oder teuren Wohnraum.
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Seniorinnen und Senioren in Städten fallen ebenfalls durchs Raster: Nach dem Ende des Arbeitslebens können sie sich ihre bisherigen Mieten nicht mehr leisten und sehen sich gezwungen umzuziehen.
Auch in wirtschaftlich starken Regionen wie Nordrhein-Westfalen oder Bayern fehlen hunderttausende Wohnungen – hier ist der Druck besonders hoch.
Die Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft
Die Wohnungsnot wirkt wie ein Bremsklotz für die Gesellschaft:
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Wohnkosten steigen weiter – besonders in Ballungszentren werden Mieten für viele Haushalte unerschwinglich.
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Soziale Spaltung vertieft sich, weil einkommensschwache Haushalte abgehängt werden.
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Arbeitskräfte und Fachkräfte könnten sich aufgrund fehlender Wohnungen weniger attraktiv für bestimmte Regionen oder Branchen entscheiden.
Was muss passieren?
Um den Wohnungsmarkt nachhaltig zu entlasten, braucht es mehr als punktuelle Maßnahmen. Ein paar der zentralen Ansätze sind:
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Massiver Ausbau des Wohnungsneubaus, insbesondere im Bereich günstiger Wohnungen und Sozialwohnungsbau.
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Neue Strategien für Bund und Länder, damit der Wohnungsbau restriktive bürokratische Hürden überwindet.
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Anreize für Investitionen in bezahlbaren Wohnraum, ohne dass nur teure Luxuswohnungen entstehen.
Ein Blick nach vorne
Die Wohnungsnot ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine strukturelle Herausforderung, die alle Lebensbereiche berührt – von der Lebensqualität über die soziale Gerechtigkeit bis zur wirtschaftlichen Dynamik. Ohne entschlossenes Handeln droht der Mangel nicht nur zu bleiben, sondern sich weiter zu verschärfen.
Deutschland braucht eine Wohnungswende. Es geht nicht nur um Zahlen, sondern um das Zuhause von Millionen Menschen.